Sauerteigbrot für Anfänger: Der 4-Zutaten-Laib, den der Deutsche Bäckerverband empfiehlt

Sauerteigbrot für Anfänger: Der 4-Zutaten-Laib, den der Deutsche Bäckerverband empfiehlt

Es klingt fast zu simpel, um wahr zu sein : vier zutaten, keine hefe, kein schnickschnack. Und doch liefert dieses sauerteigbrot eine krume, die selbst erfahrene bäcker neidisch machen kann. Der deutsche bäckerverband hat dieses rezept für anfänger empfohlen, weil es auf das wesentliche reduziert ist und trotzdem ein ergebnis liefert, das sich sehen lassen kann. Wer noch nie mit sauerteig gearbeitet hat, wird hier merken : es ist kein hexenwerk. Es braucht nur geduld, ein bisschen planung und die bereitschaft, dem teig die zeit zu geben, die er verdient. Sauerteig ist lebendig — ein natürliches triebmittel aus mehl und wasser, das durch wilde hefepilze und milchsäurebakterien entsteht und den teig aufgehen lässt — und genau das macht dieses brot so besonders. Kein industrieller zusatz, keine künstliche beschleunigung. Nur natur, handwerk und geduld.

30 minuten (plus 12 bis 16 stunden ruhezeit)

45 minuten

mittel

Zutaten

Personen +

Utensilien

Zubereitung

1. Den sauerteigansatz aktivieren

Nehme deinen sauerteigansatz — auch ’starter‘ genannt, das ist die lebendige mischung aus mehl und wasser, die du bereits vorbereitet oder gekauft hast — aus dem kühlschrank und lass ihn mindestens 4 stunden bei zimmertemperatur stehen. Er sollte blasen bilden und leicht nach säure riechen. Das zeigt dir : er ist aktiv und bereit.

2. Mehl und wasser mischen — die autolyse

Gib 500 gramm mehl in eine große schüssel. Füge 300 milliliter lauwarmes wasser hinzu (die restlichen 50 milliliter brauchst du später). Mische alles grob mit den händen oder einem teigschaber, bis kein trockenes mehl mehr sichtbar ist. Decke die schüssel mit einem feuchten tuch ab und lass den teig 30 minuten ruhen. Dieser schritt heißt autolyse — eine ruhezeit, in der das mehl das wasser aufnimmt und das gluten sich von selbst zu entwickeln beginnt, ohne kneten. Das macht deinen teig geschmeidiger.

3. Sauerteig und salz einarbeiten

Füge nun den aktiven sauerteigansatz und das salz zum teig hinzu. Gieße auch die restlichen 50 milliliter wasser dazu, um das salz aufzulösen. Arbeite alles mit den händen ein, indem du den teig immer wieder falt und drückst. Das dauert etwa 5 minuten. Der teig wird zunächst klebrig wirken — das ist völlig normal. Hab geduld.

4. Dehnen und falten — stretch and fold

Lass den teig jetzt 4 stunden bei zimmertemperatur gehen. Während dieser zeit führst du alle 30 minuten das sogenannte ’stretch and fold‘ durch — eine technik, bei der du den teig an einer seite hochziehst und über sich selbst faltest, um das glutennetz zu stärken, ohne intensiv zu kneten. Mache das 4 mal pro runde (nord, süd, ost, west). Nach 4 stunden sollte der teig deutlich volumen gewonnen haben und eine weichere, luftigere struktur zeigen.

5. Den teig formen

Mehliere deine arbeitsfläche leicht. Stürze den teig vorsichtig heraus und forme ihn zu einer runden kugel (boule) — eine klassische brotform, die durch spannung an der oberfläche entsteht und dem brot beim backen hilft, seine form zu halten. Ziehe die seiten nach unten und drehe den teig dabei leicht. Lege ihn mit dem verschluss nach oben in einen bemehlten gärkorb.

6. Die kalte gare

Decke den gärkorb mit folie oder einem tuch ab und stelle ihn für 8 bis 12 stunden in den kühlschrank. Diese phase heißt ‚kalte gare‘ — eine langsame, kühle fermentation, die dem brot mehr aroma und eine bessere kruste verleiht. Du kannst den teig auch über nacht im kühlschrank lassen, was das ganze noch bequemer macht.

7. Den ofen und den topf vorheizen

Heize deinen backofen auf 250 °c (ober-/unterhitze) vor. Stelle dabei deinen gusseisernen topf mit deckel in den ofen — er muss mindestens 45 minuten aufheizen. Ein heißer topf ist das geheimnis einer perfekten kruste, weil er den dampf hält, den das brot beim backen selbst erzeugt.

8. Backen

Hole den heißen topf vorsichtig aus dem ofen. Stürze den teig direkt aus dem gärkorb in den topf. Ritze die oberfläche mit einem scharfen messer oder einer rasierklinge ein — das einritzen heißt ’scoring‘ und erlaubt dem brot, kontrolliert aufzugehen, statt unkontrolliert zu reißen. Lege den deckel auf und backe 20 minuten mit deckel bei 250 °c. Entferne dann den deckel und backe weitere 20 bis 25 minuten bei 220 °c, bis die kruste tief goldbraun ist. Lass das brot nach dem backen mindestens 1 stunde auf einem gitter auskühlen, bevor du es anschneidest.

Clara

Tipp vom Chefkoch

Ein aktiver starter ist entscheidend : mache den schwimmtest, bevor du anfängst. Gib einen teelöffel starter in ein glas wasser — schwimmt er, ist er bereit. Sinkt er, braucht er noch eine fütterung — das ‚füttern‘ bedeutet, frisches mehl und wasser im verhältnis 1:1:1 zum starter zu geben, um die mikroorganismen zu aktivieren.

Brotzeit mit dem richtigen getränk

Zu einem rustikalen sauerteigbrot passt ein naturtrübes kellerbier aus einer deutschen brauerei hervorragend — seine malzigen noten harmonieren wunderbar mit der milden säure des brotes. Wer es alkoholfrei mag, greift zu einem spritzigen apfelschorle aus regionalem apfelsaft.

Zusätzliche Info

Das sauerteigbrot gehört zu den ältesten brotformen der menschheitsgeschichte. Lange vor der entdeckung der industriellen hefe haben bäcker weltweit auf diese natürliche fermentationsmethode gesetzt. In deutschland hat das brot eine besondere kulturelle bedeutung : die deutsche brotkultur ist seit 2014 immaterielles kulturerbe der unesco. Der deutsche bäckerverband setzt sich aktiv dafür ein, dieses wissen auch an heimische hobbybäcker weiterzugeben — und dieses 4-zutaten-rezept ist ein direktes ergebnis dieser initiative.

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